Dazwischen
Sonntag, 13. Juni 2021

Ruhe

Zwanzig Minuten Pause, ruhige Klarheit hat sich eingestellt. Habe am Vormittag meine 117 Höhenmeter gemacht, über Wolfgang gelesen, eine russische Suppe gekocht und jetzt eine Weile mit O Minecraft gespielt. Vater und Sohn sind in den Park gegangen, ich gehe nach dem Wäsche aufhängen vermutlich nach, oder bleibe hier und geniesse die Stille.

Mein Leben ist in vielen Dingen weit von Tiefe entfernt geblieben, aber in einigen hat es sie erreicht, das genügt mir.

Gestern habe ich mir fest vorgenommen, meinen Sohn zu einem Feministen zu erziehen. Langsam beginne ich damit, Pläne zu machen. Ihn in seinen Emotionen ernst zu nehmen ist ein guter Schritt, das geht von Beginn an wie von alleine. Ein Vorteil einer lange Karriere in der Psychotherapie ist, man kennt die Zustände. Ein Nachteil: man redet irgendwann nur mehr über sich selbst.

Denkmäler will ich keine errichten, hilfreich war vieles. Antizipieren ist nahezu wie wünschen, inklusive schlechtem Gewissen und Schuldgefühlen, wenn schlimme Dinge eintreten.

Man kennt die Gefahr.

An keinem Punkt zufrieden mit mir, viel zu sentimental und kitschig, verziert und verzehrt von Gefühlen. Das kenne ich. Trotzdem kann ich mir schlüssig immer wieder versichern, weiter zu machen. Woran liegt das? Ist das wichtig? Das Internetz hat jede Spontanität getötet sagt ein Sänger einer Band, wenn es stimmt was da an Vor- und Nachname unter dem Zitat versammelt ist, und ich denke - es gibt ein paar Möglichkeiten. In meinem kleinen Ausschnitt der Welt. Ein 'was wäre wenn' - Spiel.

Hätte es das Internet nicht gegeben, B und ich wären wohl ein Paar geworden. Der Mail-Wechsel 1999 hat uns mehr voneinander entfernt als uns einander näher gebracht, weil wir durch die vielen Worte befangen waren, wenn wir uns dann in Real Life sahen. Das geschah zwar häufig, aber schriftliche Worte bemühten wir noch öfter.

Ob ich dann trotzdem krank geworden wäre, oder nicht, das weiß ich schwer zu sagen, aber wenn nicht, hätte ich das Dilemma nie auflösen können, mein geschichtliches Dilemma.

Egal, das ist gut. Wie es ist. Was soll ich machen? Das Netz ist da, jetzt müssen wir das beste daraus machen. Ich habe schon ein gutes Gefühl. Dass es was bringen könnte. Trojanische Pferde und die Vernetzung der Outlaws. Von der Gesellschaft Verstossenen.

Aber der Nino aus Wien singt im Radio, der Text hatte eine Pause die keiner sieht, weil ich war im Park, es war super, O hat M kennengelernt, sie haben Boule gespielt und sich aneinander gemessen. Schön.

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