Dazwischen
Samstag, 23. Mai 2020

Unwetter

Die Wüste der Tränen ist durchquert, der erlösende Regen ohne Bogen geblieben, auf der Suche nach meinen Träumen fällt mir immer nur ein Garten und Wanderungen ein. Dann sitz ich hier am Balkon zwischen viel Grün, höre dem Regenwaldgesang der Vögel zu, unten kehrt wer mit einem Reisigbesen den Hof. Stimmen ferner Menschen, deren Inhalt sich mir nicht erschliesst, ein Niesen, ein Schrei.

Einen roten Faden suchen, eine Antwort finden, ich weiß nicht ob das gelingen kann. Durch den Wind wird die Sonnenblume ganz stark, er zerrt an ihr und nervt ihr Kostüm, gäbe es ihn nicht, bliebe sie zu zart für den feinsten Hauch.

Sirenen, wie immer, ich weiß noch als ich im Zimmer lag und die Eltern fern wusste, dachte, einmal erschallt eine Sirene die einen von ihnen fort bringt, das war meine größte Angst.

Ich jammere nicht, und ertrage es auch lange nicht mehr. Glaube und Wissenschaft, wissen und vertrauen, Tauben und Krähen und alles dazwischen. Ich weiß einfach nicht, was ich will. Und wenn ich es genau nehme, wußte ich das noch nie. Außer O, den wollte ich wirklich.

Wer spricht hier? Bin ich es? Ist das der Zensor? Ich lese alte Worte von Transaktionen und komme an den selben Punkt wie einst. A verdreht die Augen, ich habe Schmerzen aber will leben. Für ihn und O. Und für mich.

Meist bin ich überzeugt davon, dass dieser Test darauf beruht, nicht seine Seele zu verkaufen, komme was wolle. Ein Warnschuss und danach konzentrische Annäherung. Ich hasse die Sirenen. Wird es einen von ihnen erwischen, einst?

Der dauernde Alarmzustand macht mich wütend. Solange man nicht pokert oder zockt oder mit zu hohen Einsatz spielt, wenn man nie trickst, fair bleibt, wird der Tag kommen an dem es sich erklärt. Wie das Amen im Gebet. Kommt er nicht, kommt das Gericht.

Der Nagellack auf meinen Fingern ist abgeplatzt zu einem Drittel, es sieht hässlich aus aber schön. Artefakte einer Ära. Ich war heute noch nicht draußen, bin ungeduscht und habe den Versuch zu zeichnen abgebrochen. Drüben ist ein Baby zur Welt gekommen, ein neuer Mensch. Ich wünsche ihm oder ihr das Beste dieser Welt, mögen die Götter gesonnen sein.

Alles was zählt sind die neuen Gedanken, die die kleinen Menschen uns bringen werden. Der Rest ist Makulatur, wir sind Geschichte. Wir müssen uns begreifen als verblühende Wesen, deren einziger Zweck es sein kann, den neuen Keimen Hoffnung, Liebe und möglichst wenig Altlasten zu schenken. Das ist unsere Aufgabe im Leben. Geld, Macht, Einfluss, Status, Kontakte, zeitlose Erzeugnisse, das ist nicht von Bedeutung. Es dient einzig der Entwicklung der Schönheit, solange es gelingt. Die bezaubernde Pracht der Natur zu transformieren in eine Sprache die verständlich macht, wer wir sein könnten. Wofür wir geschaffen wurden, warum wir sind. Ablenkung davon ist wie die Leere mit Chips und Ziegenkäse, einem Glas Wein zu füllen. Mir fehlt der Garten, oder etwas anderes, das ich nicht kenne. Etwas fehlt.

Sie sind nicht angemeldet